Oury Jalloh – 17ter Todestag

Oury Jalloh – 17ter Todestag

Heute jährt sich der Tod Oury Jallohs, einem Menschen aus Sierra-Leone zum 17. mal. Zum 17. mal drängen viele Menschen darauf, hier endlich klar zu benennen, was vorgefallen ist. Oury Jalloh starb in einer Gefängniszelle – also unter Aufsicht der Sicherheitsbehörden. Es fehlt nach wie vor an Aufklärung und Aufarbeitung. Wo bleibt die viel gepriesene Offenheit und Gerechtigkeit, mit der Deutschland immer wieder für sich zu werben versucht? Nein, immerzu wird versucht, die Leute mit Lippenbekenntnissen und Realitätsverklärung ruhig zu stellen. Das muss aufhören!

Wie viele Gutachten und Expertisen braucht es noch, um offiziell einzugestehen: Es war Mord? Besonders erschreckend ist, dass vor allem die SPD Sachsen-Anhalt das Versprechen brach, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen. Sie blockiert diesen nach wie vor. Mit dem im Bundestagswahlkampf gepriesenen „Respekt“ der SPD für die Menschen hat das alles reichlich wenig zu tun (vgl. Erklärung der Linksfraktion Sachsen-Anhalt)

Oury Jalloh konnte sich nicht selbst verbrennen

Im Endeffekt ist die Datenlage schon seit den ersten Jahren nach dem Tod Oury Jallohs erdrückend. Unzählige zurückliegende wie auch aktuelle Gutachten nahmen schnell den Behauptungen eines Selbstmordes den Wind aus den Segeln. Vielmehr erhärteten alle folgenden Expertisen und Gutachten die Gewissheit, dass es sich hier um Tod durch Fremdverschulden handelt. Neben dem Brandbild, das erwiesenermaßen nur durch die Verwendung von Brandbeschleuniger entstehen kann, geben auch die massiven Verletzungen des Mannes Grund an der öffentlichen Darstellung zu zweifeln, denn diese entstanden wohl erst kurz vor seinem Tod. Wahrscheinlich werden Aufarbeitung und Aufklärung nicht zur Verurteilung einer Person wegen Mordes führen. Dafür ist über die Jahre zu viel Vertuschungsarbeit geleistet worden. Zudem wurde nach taz-Recherchen zunächst ein Zeuge abgewiesen und unter Druck gesetzt. Einen Verdacht hatte dieser geäußert, hinsichtlich des Beamten, der vor seiner Polizeikarriere Feuerwehrmann war und Oury Jalloh festgenommen hatte.

Letztendlich muss es darum gehen, Strukturen und Verstrickungen aufzuklären und der Familie des Oury Jalloh endlich zu zeigen, das Gerechtigkeit keine Floskel ist.

Die Familie Oury Jallohs kämpft indes noch immer gegen die Windmühlen des Rechtssystems an. Wie DIE ZEIT im November 2021 nach DPA-Angaben bekannt gab, verweist die Staatsanwaltschaft Naumburg darauf, „dass das Ermittlungsverfahren im November 2018 eingestellt worden sei, weil sich keine beweisbaren Anhaltspunkte ergeben haben, die eine Entzündung der Matratze durch Jalloh ausschließen können und die eine Entzündung durch Polizeibeamte oder durch bestimmte Dritte belegen“.

Rassismus: Systematisch bekämpfen, systemische Spaltung beenden

So lange Fälle wie der von Oury Jalloh nicht konsequent aufgeklärt und aufgearbeitet werden, wiegen sich Rassisten und andere Menschenhasser in der Gewissheit, dass sie von Staatswegen her nichts zu befürchten hätten. Die nach und nach an Dynamik gewinnende Spirale aus Hetze und Spaltung bleibt weiter in Bewegung und verklärt sich mehr und mehr zu einem neuen Normalzustand. Im Sinne der Erhaltung unserer pluralen, offenen Gesellschaft ist die Bundesrepublik Deutschland, jedes Bundesland und jede Dorf-Polizeistation dazu aufgerufen, endlich konsequent zu handeln, Corps-Geist hintan zu stellen. Um das zu erreichen ist vor allem eine von der Polizei unabhängige Ermittlungseinheit notwendig. Nicht zur Diskreditierung von Polizeibeamt:innen, sondern zur Wiederherstellung des Vertrauens der Menschen in die vielen korrekt agierenden Menschen bei Polizei und Sicherheitsbehörden.

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