Diese Frage wurde kürzlich erneut an mich herangetragen – und ihr liegen m. E. ein paar grundsätzliches Pobleme zugrunde.

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Sie setzt nämlich voraus, dass Menschen, die aus einem muslimischen Land kommen, per se gläubige Anhänger:innen des Islam sind, die zudem einen großen Wert darauf legen, dass die Kinder das ebenso weiter praktizieren. Und dass das in jeder der folgenden Generationen genau so fortgeführt wird.

Fakt ist aber, gerade viele junge Menschen, die nach Europa kommen, haben großes Interesse an ihrer Religion und wenden sich relativ schnell davon ab, sobald sie das Elternhaus verlassen und in der Gesellschaft Fuß gefasst haben, zum Beispiel durch soziale Kontakte und das Gefühl, willkommen zu sein.

Desweiteren macht die Fragestellung nicht klar, ‘eine Mehrheit wem gegenüber’.

Eine Mehrheit gegenüber Christen?

In Westdeutschland leben fast 17 Prozent als nicht Gläubige, Agnostiker:innen oder Atheist:innen – in Ostdeutschland rund 68 Prozent.

Die oben genannten Zahlen müsste man zusätzlich sogar noch ergänzen, um die vielen Menschen, die sich aus Gewohnheit als Christen bezeichnen, im Endeffekt aber außer ihrer Taufe, Kommunion/ Konfirmation nichts mit der Kirche oder dem Glauben am Hut haben.

Das “gelebte” Christentum ist damit ohnehin keine Mehrheit mehr. In anderen europäischen Ländern ist es ähnlich.

Alternativ also eine muslimische Mehrheit gegenüber den “Europäern”? Wer sind diese Europäer? Und was ist mit Europäern, die in muslimischen Ländern leben? Oder in Ländern mit traditionell nennenswert hohem Anteil an muslimischen Menschen?

Angst unbegründet

Kurzum: Ich denke nicht, dass Europa irgendwann so aussehen wird, wie es manche Reaktionäre und Armageddon-Beschwörer prophezeien. Der Islam wird wahrscheinlich nach und nach im Trott des Alltags aufgehen und völlig normal neben Christentum und anderen Religionen koexistieren. Auch dann, wenn sich einige reaktionäre Gruppen – von christlichen Fundamentalisten über Konservative bis hin zu Rechtsextremen – immer wieder gegen diese Entwicklung stellen und uns mit Angst füttern werden. Letzteres ist nicht neu — und Zeichen der europäischen “wir sind das Maß aller Dinge”-Mentalität, die bereits zu etlichen Genoziden geführt hat.

Viel mehr sollten wir (uns) mehr denn je fragen, wie wir es schaffen, dass sich alle Menschen so gut aufgehoben und angekommen fühlen, dass sie mit und nicht neben der Gesellschaft leben möchten. Ein einseitiges “du musst dich integrieren” kann es nicht sein, auch wenn uns das christdemokratische Fundamentalisten seit Jahrzehnten vorbeten.

Gesellschaftliches Zusammenleben basiert auf Konsens und Interaktion, vor allem auf Teilhabe – nicht auf Zeigefinger, Dogmatismen und Stolperfallen.

Zeit für neue Fragen

Warum soll uns ein Europa mit vielen Muslimen Angst machen? Was ist verkehrt an Menschen muslimischen Glaubens? Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass viele der Menschen, von denen wir z. B. Fans sind, muslimischen Glaubens sind?

  • Zayn Malik, Mitbegründer der Band One Direction
  • Shaquille O’Neal, Baskebtball-Star LA Lakers und Miami Heat
  • Muhammad Ali – Box-Legende
  • Ice Cube – Rapper
  • Mike Tyson – Boxer
  • Kareem Abdul-Jabbar, Baskebtball-Star, LA Lakers
  • Cat Stevens, Musiker
  • Busta Rhymes, Rapper
  • Akon – R ‘n B-Sänger
  • French Montana, Rapper

Was diese auszugweise Auflistung von der Seite des Senders CBS News verdeutlichen soll: Dass jemand Muslim ist, macht ihn weder gesellschaftlich untauglich noch gefährlich. Wer etwas anderes behauptet ist schlicht islamophob oder gar ein Rassist.

Treiber von Vorurteilen

Womit wir wieder bei den üblichen Agitatoren gegen muslimische Menschen wären: politisch CDU, AfD und noch weiter rechts. Auch medial wird gerne eingeheizt. Doch genau hier sollte hinterfragt werden: Geht es in diesen Agitationen tatsächlich darum, Gefahren abzuwenden oder eher darum, sich als auserwählten Kreis von Menschen darstellen zu wollen, dem alle etwas wegnehmen wollen?

Sicherlich hast du gemerkt, dass die Eingangsfrage aus vielen Perspektiven betrachtet und beantwortet werden kann. Ich der Kürze, das Internet ist schnelllebig, habe ich mich zudem auch Kernthemen konzentriert. Mit Sicherheit lassen sich noch unzählige weitere Aspekte finden, die die Frage selbst als obsolet entlarven. Sie gar nicht zu beantworten, wäre dennoch falsch gewesen – dafür wird sie zu oft gestellt, wenn auch oft nur “durch die Blume”.

Ich bin der Ansicht, Europa wird nicht mehrheitlich muslimisch werden und dass diese gesamte Frage einen faden Beigeschmack hat.

Wenn du das anders siehst oder etwas ergänzen möchtest, freue ich mich über deine Kommentar oder deine E-Mail.

Solidarische Grüße

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