Ist Ableismus rassistisch?

Ableismus ist die Diskriminierung von Menschen, denen körperliche oder geistige Behinderungen oder Einschränkungen zugeschrieben werden.

Wann immer uns andere vorrechnen wollen, dass es Krankheiten oder Behinderungen gibt, bei denen man quasi mit der Diagnose eine bestimmten ökonomischer Schaden für die Gesellschaft verursacht, sollten bei uns allen die Alarmglocken schrillen.

Was allzu selbstverständlich als „kritische Beobachtung“ oder „kritisches Argument“ daher kommt oder als dem angeblichen (finanziellen) Wohle der Mehrheitsgesellschaft dienend, offenbart den Willen dazu, erneut Grenzen des Denk- und Sagbaren einzureißen, die aus gutem Grunde Bestandteil unseres Selbstverständnisses bilden – u. a. aufgrund der Lehren aus dem Nationalsozialismus.

1933: Diskriminierung per Gesetz

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in vielen europäischen Staaten Überlegungen dazu, welche die lebensfähigen und die dazu unfähigen Rassen bildeten. Ein einhellig auf Weiße Europäer zentriertes Bild entstand auf Basis diverser Pseudo-Wissenschaften, die in ihrem Ursprung vor allem den Kolonialismus rechtfertigen sollten. Der Rassismus zog in das Bildungssystem ein. Auf unter anderem diesem Gedankengut fußte der Nationalsozialismus und führte zur flächendeckenden Euthanasie – also zur gezielten, systematischen, institutionalisierten Ermordung von behinderten Menschen. Bereits 1933 wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ beschlossen.

Die Nazis haben ihrerseits über 100 000 Menschen mit Behinderungen umgebracht, wobei die Grenze, ab wann der Mord legitim sei mehr als nur willkürlich verlief. Einzig, weil für die Nationalsozialisten feststand, dass diese Menschen die Volkskörper keinen Nutzen bringen. Auf Basis des Gesetzes „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ von 1933 wurden Betroffene nicht nur eingesperrt und ermordet. Viele weitere Frauen wurden wegen einer Behinderung zwangssterilisiert. Das vorgenannte Gesetz blieb bis 1968 in Kraft.

Ableismus ist fester Bestandteil rassistischer Ideologien!

Wer heutzutage bewusst Menschen mit Behinderungen oder Beinträchtigungen diskriminiert oder gar systematische Zwangssterilisationen fordert, der stellt sich ebenso bewusst auf eine Stufe mit denen, für die sog. „Rassenhygiene“ existenzieller Bestandteil ihrer Weltanschauung ist.

2021: Beispiel AfD

"Aufruhr in Rheinland-Pfalz: Eine Kreistagsfraktion der AfD beschreibt in einem Schreiben zwei Menschen mit Behinderung als "Problemfälle" und Migranten als Gründe für die Arbeitslosenquote. Innenminister Roger Lewentz reagiert schockiert, Politiker kritisieren die AfD, Nazisprache zu verwenden.

Die AfD-Fraktion im Kreistag von Bad Kreuznach hat mit ihrer schriftlichen Stellungnahme zum Haushalt für Entsetzen gesorgt. Als mögliche Gründe für die Arbeitslosenquote nennt die Fraktion etwa Migranten und "die hohen Sozialausgaben, in dessen Hängematte sich scheinbar viele Personen ausruhen". In dem Text werden unter anderem zwei behinderte Menschen als "Problemfälle" diskriminiert, die "durch ihr krankhaftes asoziales Verhalten" den Kreis mit "einer kaum nachvollziehbaren Summe" belasteten."1 https://www.n-tv.de/politik/Migranten-und-behinderte-Menschen-diskriminiert-article23017055.html

Ja, der Kampf, das Positionieren gegen rechtsextreme Sichtweisen, Narrative und Gruselmärchen MUSS ganz entschieden auch den Widerstand gegen Ableismus oder ableistisch geprägter Weltbilder beinhalten. Auch und gerade durch das zuletzt zu beobachtende Wiederaufblühen rechtsextremer Positionen und deren Anknüpfungsfähigkeit in die Mitte der Gesellschaft, ist hier die Schwelle in Richtung re-Normalisierung von #Rassismus schnell überschritten.

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