Omikron (südafrikanische Variante des Corona-Virus SarsCoV2) ist zur Zeit in aller Munde, auf vielen Titelseiten und Bestandteil aktueller wissenschaftlicher Auswertungen. Man mag sagen, dass Omikron bereits jetzt schon in der Berichterstattung die vorherrschende Variante des Coronavirus ist. Was sagt das über die Realität aus?

Manche gewinnen den Eindruck, als würde Omikron zu unrecht medial derart emporgehievt und als „das“ Coronavirus hochstilisiert werden. Tatsächlich aber hat Omikron bereits jetzt schon in den USA den Status der vorherrschenden Variante erreicht. Wie am 21.12.2021 mehrfach gemeldet, liegt der Anteil in den Vereinigten Staaten bei 73 % (vgl. Die Zeit). Die wissenschaftlich etwas unhandlich benannte Variante B.1.1.529 (zum WHO-Bericht) wurde seitens der WHO am 26.11.2021 als besorgniserregend eingestuft – oder in WHO-Worten: „variant of concern„. Auf Bezeichnungen mit Herkunftsstempel wurde bewusst verzichtet, was ich sehr begrüße. Das würde unweigerlich zu einer Stigmatisierung und Brandmarkung von Menschen führen.

Omikron ist die dreizehnte Ausprägung des Coronavirus. Omikron der fünfzehnte Buchstabe im Alphabet. Das hat in manchem Verschwörungskanal für neue Phantasien gesorgt. Tatsächlich haben unter anderem die Stuttgarter Nachrichten notiert, dass die Buchstaben Nr. 13 und Nr. 14 des griechischen Alphabets schlicht ungeeignet waren. Nr. 13 ist Ny und hätte demnach eine zu große Ähnlichkeit mit dem englischen Wort „new“ (neu). Nr. 14, Xi, ist ein im Chinesischen gängiger Vorname und könnte zu Diskriminierung führen. So haben wir es mit dem fünfzehnten Buchstaben des griechischen Alphabets und der dreizehnten Variante des Virus zu tun: Omikron.

Was bedeutet Omikron alias B.1.1.529 für unseren Alltag?

In Sachen direkter Gefährlichkeit ist Omikron einigen Auswertungen zufolge etwas weniger „agressiv“ und verursacht vornehmlich leichtere Verläufe mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, zu invasiver Beatmung oder Tod zu führen. Das ist erstmal eine positive Eigenschaft – doch sollten wir Omikron auf keinen Fall unterschätzen. Wie die Tagesschau am 29.11.21 berichtete, bewertete die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee gegenüber BBC die Krankheitsverläufe durch Omikron als „zwar ungewöhnlich, aber mild“. Aus Hong Kong wurde beinahe gleichzeitig gemeldet, dass Menschen, die mit Omikron infiziert sein, zwar mildere Verläufe aber gleichzeitig eine viel höhere Viruslast – also ein viel höheres Ansteckungspotenzial – aufweisen.

Um zu verstehen, wie schnell sich Omikron – selbst in Südafrika – ausbreitet, ist die Geschichte der Entdeckung sinnvoll.

Wie wurde man auf Omikron aufmerksam?

Coetzee beschrieb die Sitaution wie folgt: In ihrer Klinik wurde zunächst – am 18. November 2021 – ein Patient mit extremer Ermüdung (Fatique) eingeliefert und litt für zwei Tage an Schüttelfrost und starken Kopfschmerzen. Die Symptome ließen eine übliche Virusinfektion vermuten. Ein Coronatest brachte Gewissheit.

Zur gleichen Zeit strömten immer mehr Patienten mit identischen Symptomen in die Klinik, sodass Coetzee und ihr Team begriffen, dass etwas vor sich gehen müsse. Zeitgleich meldeten sich täglich zwei bis drei weitere Patienten mit der gleichen Infektion in der Klinik zur Behandlung an. Da Coetzees Klinik bereits für 10 Wochen keinerlei Corona-Infektionen mehr festgestellt verzeichnete, war die Schnelligkeit der Ausbreitung alarmierend.

Es folgten weitere Tests und Analysen.

Wie Coetzee, auch Mitglied der südafrikanischen Impfkommission, weiter bei reuters erläuterte, wiesen mit Omikron infizierte Menschen nicht die üblicherweise alarmierenden Sympthone Geruchs- und Geschmacksverlust auf.

Dass sich die Variante eines Virus, das eher kälte- als hitzebeständig ist, in Südafrika derart rasch ausbreitet, lässt für führende Forschende auch in Deutschland damit nur den berechtigten Schluss zu, dass Omikron weitaus heikler als die Delta-Variante werden könnte.

Diese Symptomlosigkeit bzw. das fehlen klar zuzuordnender Symptome begünstigt die Verbreitung ebenso sehr, wie ein Karneval mit 50.000 Menschen!

Omikron in Deutschland

Omikron ist in Deutschland angekommen. Das haben bereits mehrere Quellen unabhängig bestätigt. Das RKI (Robert-Koch-Institut) meldete bis einschließlich 13. Dezember 2021 eine Anzahl von 112 Omikron-Infizierten – also 0,6 % der Gesamt-Infektionen in der ersten Dezember-Woche. Die absolute Zahl mag verschwindend gering klingen, darf aber nicht für sich allein betrachtet werden. Im Vergleich zur Vorwoche hat sich der Anteil versechsfacht – da waren es 0,1 %. Noch am 03.12.2021 waren laut Ärzteblatt zudem nur vier Infektionen festgestellt worden.

Sämtliche Modellrechnungen zeichnen ein sehr dynamisches, leider in eine Richtung orientiertes Bild. Nämlich das der massiv ansteigenden Infektionszahlen.

Das ist besorgniserregend, aus verschiedenen Gründen:

  • Gesundheitswesen noch immer durch kapitalistische Strukturen geknebelt
  • Angestellte im Gesundheitswesen noch immer unterbezahlt und überarbeitet
Neben diesen „altbekannten“ und systemischen Problemen, gibt leider auch „der Mensch“ selbst immer wieder Grund zur Fassungslosigkeit:
  • Impf- und Booster-Quote noch nicht ausreichend
  • Spaltung durch fehlgeleitete Medien geht unvermindert weiter
Auch Untätigkeit oder Halbherzigkeit von Behörden spielen hier mit hinein:
  • keine Kontrollen der 3G-Regeln in Betrieben
  • kein konsequentes Einschreiten bei illegalen Massen-Veranstaltungen

LongCovid als breite Gefahr

Unbestritten – Corona war in den letzten knapp zwei Pandemie-Jahren vornehmlich eine wahrgenommene Gefährdung von Vorerkrankten und sog. Alten. Über die Gefahren durch LongCovid, also auch weit über die eigentliche Erkrankung hinaus gehende Einschränkungen, Leiden und Symptome sprachen wir zu wenig bis gar nicht. Die Frankfurter Rundschau stellte dazu bereits am 15.12.2020 treffend fest: „Sogar leichte Covid-19-Verläufe können nach aktuellem Kenntnisstand langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.“ Auch der Merkur warnte schon: „Berichte über Spätfolgen einer Coronavirus-Infektion rufen Lungenärzte auf den Plan, die vor einer Verharmlosung der Krankheit warnen.“

Kein Wunder, dass sich zum Beispiel das Uni-Klinikum Heidelberg eine Art Long-Covid-Ambulanz leistet.

Noch immer tun Kultusministerien zudem so, als seien Schüler:innen zwar durchaus infektiös und werden infiziert, aber seien doch niemals in Gefahr. Immerhin gehörten sie nicht zur gefährdeten Gruppe. Am Ende laufen auch die Kinder Gefahr, an Covid oder daraus resultierend Long-Covid zu leiden. Umso mehr es zu einer „durchseuchung“ der Gesellschaft kommt, desto drastischer können die Folgen für die Erkrankten und deren Familien aussehen. Aber auch für die Gesellschaft selbst.

In der Geschwindigkeit, wie sich Omikron ausbreitet und beschleunigt es seine eigene Ausbreitung selbst, durch das fehlen klar abzugrenzender Symptome und die wesentlich höhere Virenlast. Dass vor allem junge Menschen an der Variante erkranken ist zudem nachvollziehbar und Ergebnis eines die Pandemie wegschweigen wollenden Systems:

  • Schul- und Kindergartenkinder
  • Arbeitende und Betreuende
  • gesellschaftlich aktive Menschen

All diese Menschen laufen Gefahr, sich zwar mit einem vielleicht „leicht symptomatischen“ Omikron zu infizieren – gleichzeitig aber auch, an einer der weiters akut einschränkenden „Nebenprodukte“, nämlich Long Covid zu leiden. Und das auf Dauer. Dauerhafte Erschöpfung oder Luftnot sind keine Lappalien.

Soweit meine Meinung zu Omikron und Pandemie.

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Solidarische Grüße und bleibt gesund
Sebastian Klaus

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