Angekommen im Corona-Chaos

Angekommen im Corona-Chaos

Vorab, sieh es mir nach, sofern die Wortwahl nicht in Gänze der üblichen entspricht. Die gegenwärtigen Zustände stimmen mich mittlerweile nicht mehr nur nachdenklich – es macht zunehmend fassungslos.

Mit Italien hatten wir Mitleid übrig und tausend Empfehlungen, was sie machten müssten, damit sie die Lage unter Kontrolle bekommen könnten. Die Bilder von Leichen in Gängen von Kliniken schockierten uns. Deutschland allen voran hat klugeschissen, wie aus einer vollautomatischen Besserwisserei-Kanone. Wie selbstverständlich beruhigten wir uns selbst mit Argumenten wie, dass das Gesundheitssystem Italiens ohnehin marode und per se überfordert, die Infrastruktur das Letzte sei und die Menschen dort nicht so regelkonform leben könnten, wie wir. In Deutschland alles toll und hübsch.

Wenn Realität weh tut

2021, jetzt, da unzählige Fragen geklärt sind, steht Deutschland nach wie vor in seiner unbelehrbaren Selbstüberschätzung da – und droht im Corona-Chaos zu versinken. Aus Berlin kommt nicht mehr als „naja, vielleicht“, „wir schließen nicht aus“, „es wäre schön“, „es wäre ratsam“. Was fehlt ist, was Italien letztendlich an den Tag gelegt hatte: Eine effektive Rigorosität, die ganz klare Grenzen vorgibt, ganz klare Haltelinien bietet – und ganz klare Prioritäten setzt.

Kein Lernprozess ohne Einsicht und Willen

Italien hat dazu gelernt. Schon vor Monaten wurden Arbeitgebern klare Vorgaben gemacht. Deutschland hat seine Selbstherrlichkeit dagegen weiter manifestiert und lädt alle menschenlebenverachtenden Schwurbler dazu ein, mobil zu machen, gegen Pandemie-Bekämpfung. Diverse Kreise nehmen das Geschenk der Untätigkeit natürlich gerne mit Kusshand an.

Die Bundesliga präsentiert unterdessen volle Stadien, Weihnachtsmärkte locken mancherorts damit, dass Eigenverantwortung die einzige Schutzmaßnahme sei. Daneben ruft DM in Österreich dazu auf, an Demonstrationen rechtsextremer Verschwörungsparasiten in Wien teilzunehmen. In Den Haag und Rotterdam gingen Autos in Flammen auf, Schüsse wurden abgegeben, Häuser standen in Flammen. Alles im Zeichen des Widerstands gegen Maßnahmen und Einschränkungen, die uns alle schützen sollten. Maßgeblich unterstützt und verherrlicht von deutschen Rechten verschiedenen Ursprungs.

Gerichte haben unterdessen festgestellt, dass die Korruption in den CDU- und CSU-Reihen nicht einmal einen Interessenkonflikt darstellen soll.

Da ist das Wiederaufleben einiger Impfzentren nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Politik in Deutschland wie auch anderen europäischen Ländern hat durch Untätigkeit ausgedrückt, dass sie davor kapituliert hat, Regeln durchzusetzen, sich gegen Lobbyinteressen zu behaupten und die Bevölkerung zu schützen.

Erinnerungen an 2020?

Ich erinnere mich noch zu gut, wie letztes Jahr gehetzt und Neid geschürt würde, als Deutschland eine Hand voll Patienten aus den umliegenden Ländern aufgenommen hatte. Gelacht haben hierzulande einige, dass man die alle aus der EU schmeißen müsste oder sich das Geld dafür zurück holen solle. Andere haben den Zusammenbruch des Gesundheitssystems prognostiziert, weil nun das Ausland seine Unfähigkeit bei uns abladen würde. Und nun?

Nun ja… Es kommt, wie es kommen musste. Nennt es Karma oder unfahiges Pandemie-Management oder Exitus durch fahrlässiges Nichtstun (womöglich ist alles davon irgendwie korrekt):

Deutschland, explizit Deutsch-Texas, aka Bayern, fliegt nun Patienten nach Italien aus. Womöglich hätte auch Hessen gereicht, könnte man denken, ist ja gleich um die Ecke. Aber auch hier, im ebenfalls urkonservativen, immer rechtsoffenen, deutschen Finanzzentrum wurden Kliniken sukzessive und systematisch kaputt gespart, die Menschen im Gesundheitssystem im Stich gelassen und die Menschen auf sich selbst gestellt, während jegliche öffentliche Infrastruktur zugunsten von Renditen zerlegt wurde.

Bild: Deutschlandfunk

Ich erinnere gerne immer wieder daran, dass „wir“ zwei Jahre Zeit hatten, aus den Fehlern Italiens, gemeinsam mit Italien, zu lernen.

Karma is a bitch. Gelernt haben andere.

PS: Vielen Dank an Italien, für die Hilfe!

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