Die Frage danach, ob es einen grünen Kapitalismus geben kann, lässt sich genauso beantworten, wie die Frage nach einem sozialen Kapitalismus.

In der kapitalistischen Ordnung zählen vor allem Wachstum und das Mehr-Haben gegenüber der Konkurrenz. Genau darin liegen auch schon die Gründe, warum Kapitalismus weder grün noch sozial sein kann. Im besten Falle ergeben sich Eindrücke von grünem oder sozialem Kapitalismus durch Zufall oder weil er von staatlicher oder aktivistischer Seite her eingebremst wurde.

Woran scheitert grüner Kapitalismus?

Kapitalistische Wirtschaftsordnungen sind darauf ausgelegt, gewinnbringend zu produzieren, um dadurch den eigenen Wohlstand zu fördern. Für eine gewinnbringende, das heißt billige, Produktion ist es erforderlich, möglichst in riesigen Mengen zu produzieren. Ungeachtet der tatsächlichen Nachfrage oder gar des qualitativen Bedarfs, werden so Ressourcen unaufhörlich aufgewendet und verarbeitet. Aktuelle Entwicklungen zielen zwar darauf ab, die Methoden und der Produktion „grüner“ zu gestalten, letztendlich wird dadurch dem Bestreben kapitalistischen Wirtschaftens nur ein grüner Anstrich verliehen. Das vorgenannte Grundbestreben, ständiger Wachstum, wird in keiner Weise thematisiert. Dadurch kann man vielleicht Zeit, aber niemals den Kampf gewinnen. Der CO2-Abdruck fällt mit Sicherheit geringer aus – die ungehemmte Ausbeutung von Ressourcen geht jedoch ungedämpft weiter. So produzieren beispielsweise Autobauer vielleicht mit weniger Emissionen, verarbeiten dennoch weiter wortwörtlich Rohstoffe am Fließband, als würde es kein morgen geben.

Es würde gewiss Zeit verschaffen, wenn alle Produktionsschritte frei von Emissionen stattfänden – auch die Herstellung Werkstoffen und Co. Gleichwohl ändert das nichts an der unaufhörlichen Ausbeutung natürlicher Ressourcen. So lange ein Auto günstig ist, weil pro verkauftem Auto dutzende hergestellt werden, hat das System noch immer nicht sein Geschwür besiegt. Somit laborieren wir homöopathisch an Symptomen anstatt die Gesellschaft für die Zukunft startklar zu machen. Letzteres würde nämlich bedingen, dass bedingungsloses Wachstum nicht mehr das Maß der Dinge ist, sondern bedarfsorientierte Produktion zur Befriedigung definitiver Bedürfnisse.

Woran scheitert sozialer Kapitalismus?

Um sozial zu wirtschaften, sollte vorausgesetzt sein, dass Reichtum sowie Infrastruktur gerecht auf alle beteiligten Verteilt wird. Beteiligte sind meines Erachtens in diesem Falle allerdings nicht Konzerne und deren Anteilseigner, sondern – viel banaler – Produzierende und Konsumierende. Genauso funktioniert das System, wie wir es kennen allerdings nicht.

Kapitalismus, wie wir ihn erleben, hat natürlich nicht mehr allzu viel mit dem Kapitalismus zu tun, den zum Beispiel Karl Marx zum Thema hatte. Produktionsmittel sind mittlerweile wesentlich diffiziler als halbautomatisierte Webstühle oder große Industrieanlagen – wenngleich auch noch immer nicht verschwunden. Tech-Giganten wie Google, Microsoft und Apple aber auch Versandriesen wie Amazon oder Alibaba.com machen vor, dass es keiner Maschinenparks bedarf, um sich an der Arbeit anderer zu bereichern. Genauso tun es Med-Konzerne wie Veritas oder Klinik-Heuschrecken wie Helios und Asklepios. Wir sind eine postindustrielle Dienstleistungsgesellschaft und viele von uns sitzen hauptsächlich im Büro und schubsen entweder Zahlen oder Pixel durch die Gegend. Das System läuft – und die Menschen müssen körperlich nicht mehr arbeiten. So der Anschein. Was zu schön klingt, um wahr zu sein ist auch nicht wahr – nicht einmal im Ansatz: Hinter jedem einfachen Klick, hinter jedem geschubsten Pixel kommt irgendwo in der (Liefer-)Kette ein Mensch, der zu einem Hungerlohn seine körperliche Gesundheit auf’s Spiel setzt. Im direkten Blickfeld sind da das Zustellpersonal von DHL & Co, die den Erfolg von Riesen wie Amazon und Alibaba.com verkörperlichen. Genauso die Pflegekräfte bei Klinikketten und in Altenpflegeheimen, die zu unwürdigen Bedingungen (Personalmangel, Minderbezahlung) um unsere Gesundheit und Würde beim Altern bemüht sind. Aber auch Tech-Giganten nehmen direkten Einfluss auf diese Entwicklungen, indem sie Hardware in Billiglohnländern produzieren und/ oder Rohstoffe aus Regionen benötigen, in denen Menschenrechte auf Geheiß ebendieser Konzerne, mit Füßen getreten werden. Der Abbau Seltener Erden und Lithium-Minen sind da nur die grausame Spitze des Eisbergs.

Als wäre das nicht genug, bewegt sich die Gesellschaft Dank geschickter reaktionärer Agitation von Mitterechts bis Rechtsextrem in großen Schritten mitten hinein in die tiefsten Abgründe des Neoliberalismus, geprägt von neo-kolonialistischen Tendenzen, einem Fable für Spaltung und das sich über andere Stellen. Mit einem kleinen Schubs würden da viele aus der Mitte plump am rechten Rand herunter fallen. Denn der Tenor aus all diesen Lagern, konservativ und liberal, ist Neid und Missgunst. Völlig unbegründet, aber die Grundlage kapitalistischen Wirtschaftens. Denn nur mit dem steten Drang, andere zu übervorteilen und klein zu halten, schafft es die Wirtschaft der Nordhalbkugel, als Errungenschaft zu verkaufen, dass der Rest der Welt für unsere Billigprodukte in Supermärkten arbeitet – und Renditen für Anleger:innen erarbeitet.

Kapitalismus: Kein Bezug zu Arbeit mehr

Ein entscheidender Punkt dafür, dass hierzulande keine Aufschreie durch die Reihen gehen, trotz der Zustände dieser Welt ist, dass uns die Art und Weise nicht bewusst wird, wie die Zinsen aus unseren Sparplänen und Aktiendepots entstehen. Da wird uns die Aktienrente als Heilsbringer suggeriert – und verheimlicht dabei die Umstände unter denen solcherlei Zinsen erst möglich werden. Arbeitende dürfen so nur zum minimal möglichen Anteil mit Lohn berücksichtigt werden, sodass der Löwenanteil groß genug ist, um Gewinne zu verteilen. Darüber sollten wir bei jedem Zins-Versprechen und bei jedem Aktien-Plus nachdenken. Nicht daran, wie wir unser gewachsenes Kapital weiter gewinnbringend anlegen.

Dass die Art und Weise, wie wir Wohlstand schaffen, nicht thematisiert wird, begründet sich darin, dass es uns gut damit geht, nur noch mit Spielgeld zu hantieren. Quasi Geld, das es nur gibt, weil es dieses Geld gibt. Geld, dass dazu genutzt wird, Menschen unter Druck zu setzen, noch mehr Börsengeld zu schaffen. Börsengeld, von dem die Menschen, die es schaffen, niemals etwas abbekommen werden.

Systemwechsel ist keine Gefahr für die Freiheit

Häufig wird propagiert, dass ein Wechsel, ein Umdenken, ein echtes Transformieren, der Art und Weise, wie wir wirtschaften, die Freiheit dieser Gesellschaft gefährden würde. Vergleiche werden immer gerne mit stalinistisch regierten Ländern wie der DDR oder der Sowjetunion angestellt. Das ist jedoch völlig hanebüchen.

Es geht beim Wechsel des Wirtschaftssystems nicht darum, von heute auf morgen den weltweiten Sozialismus oder Kommunismus auszurufen. Dass das nicht funktioniert, das wissen auch die romantischsten Träumer. Denn dafür haben die Interessen des Kapitals nach wie vor einen zu großen Einfluss. Es wird sich wehren und aufwiegeln, entgegen jeglicher Vernunft und Weitsicht. Vom Egoismus kann er nicht ablassen. Er ist nicht grün und schon gar nicht sozial.

Worum es aber geht: Aufklärung und Sensibilisierung. Viele Menschen nehmen die völlig aus den Fugen geratenen Verhältnisse zunehmend wahr und schließen sich gerne Initiativen an, die dem Kapital Macht nehmen und sie der Gesellschaft zuführen wollen. Die Bürgerinitiative „DW Enteignen“ ist ein gutes Beispiel. Obwohl in Deutschland vielerorts noch als Hirngespinst klein geredet und von Konservativen als sozialistische Gefahr dargestellt, erfährt in vielen Ländern Aufmerksamkeit. Vor allem vor dem Hintergrund, dass selbst bei uns, wo wir eine institutionalisierte Kapitalisten-Gesellschaft sind, Menschen dem System nicht weiter vertrauen, weckt vielerorts Hoffnungen auf mehr Gerechtigkeit. Der Ruf nach Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen, die sich als erste Instanz am einzelnen Menschen bereichern, wird nun vermehrt auch in anderen Ländern gefordert. Eine verständliche, folgerichtige und gute Entwicklung.

Langsam aber laut stirbt der Kapitalismus

Als Moloch, der sich in die Ecke gedrängt und von seinem Herrchen im Stich gelassen fühlt, beißt und geifert das kapitalistische Ungetüm nun lauter und vehementer als bisher. Pure Angst vor einem Aufstehen der Menschen lässt sich vermuten – so auch die Panik-Kampagne der CSU vor der Bundestagswahl 2021, in der vor einem Linksrutsch gewarnt wurde, weil sich gleich drei Parteien für mehr soziale Gerechtigkeit und weniger Konzernmacht starkgemacht haben. Rechtsextreme sind allerortend bereitwillig darauf eingestiegen.

Geifernd und bissig wollte der Kapitalismus damit das Gespenst vom Kommunismus durch Deutschland treiben – ohne bis heute verstanden zu haben, dass dieses Gespenst immer in seinem Nacken sitzt.

Guter Hoffnung – Entwicklung nicht aufzuhalten

Die Transformation wird soundso vonstatten gehen, denn die Menschheit befindet sich in einer steten Evolution ihrer Gesellschaftsform. Der Weg von kurzfristigen Gewinnen für wenige, mit Almosen für ein paar weitere geht zuende. Menschen verstehen immer besser das Große und Ganze, das Miteinander.

Was wir heute als normale Gegebenheiten ansehen wäre noch vor wenigen Jahrzehnten als Manifestierung des Sozialismus in Europa verteufelt worden – der Mindestlohn zum Beispiel, von dem vorhergesagt wurde, er würde der Wirtschaft den Rest geben.

In Skandinavien laufen die ersten Modellversuche mit einer 4-Tage-Woche und das österreichische Rentensystem setzt per se auf eine völlige Gleichbehandlung aller Einzahlenden.

Alles ein wahrer Albtraum aus Sicht vor allem Liberaler, die die Gefahr wittern, Menschen könnten wirklich die Vorzüge von Freiheit entdecken. Was Liberale jedoch wollen: Freiheit der Märkte, zu entscheiden, was sie mit Menschen tun, was sie ihnen geben und auch nehmen.

Neoliberale, Konservative und Rechtsradikale können sich hier drehen und wenden, wie sie wollen. Die Entwicklung, hin zu einer solidarischeren Gesellschaft, ist unaufhaltsam. So sehr sie auch versuchen, die Menschen und deren Bedürfnisse zurückzudrängen, so sehr werden diese ihre Dynamik und Entschlossenheit entdecken.

Solidarische Grüße

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