Diese und ähnliche spirituell anmutenden Fragen habe ich in letzter Zeit an verschiedenen Stellen zur Diskussion vorgefunden. Eine interessante Fragestellung. Wobei ich selbst nicht auf das Thema „Schicksal“ eingehen kann. – Dennoch ein Versuch, darauf einzugehen.

Für „Schicksal“ fehlt mir die spirituelle Ader, ich gebe es zu. Im Endeffekt dreht sich die Frage doch aber eigentlich um persönliche Freiheit.

Meiner Meinung nach haben wir in einem begrenztem Maße durchaus eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Im Rahmen des gesellschaftlichen ökonomischen Korsetts können wir Entscheidungen treffen und Weichen stellen. Wir können gewissermaßen frei entscheiden welche Abzweigung wir im Leben wählen. Aber mit welchem Ergebnis?

Die Realität

Gerade der individuelle Alltag in Industrieländern ist oft mehr ein Abstecken von Routen zwischen festen Leitplanken als persönliche Entfaltung.
Wir leben in einer Gesellschaft voller unpersönlicher Abhängigkeiten, die wir befriedigen müssen. Ist das tagtäglich im Job erfüllt, widmen wir uns Abhängigkeiten im Familienleben oder im Freundeskreis. Was wir als Freiheit empfinden, ist letztendlich meist ein Konstrukt aus Verpflichtungen, dem wir eine persönliche Note geben – aber im Endeffekt folgen.

Darüberhinaus würde zu „freier Entscheidung“ eine ausgebildete, selbstverständliche Gleichberechtigung und Gleichbehandlung aller gehören. Diese existiert faktisch nicht. Klassismus und Ressentiments verschiedenster Couleur sind nach wie fester Bestandteil des Mehrheitsdenkens und entscheiden darüber, wie eng die o. g. Leitplanken unseren Weg gestalten und ab welchem Punkt sie eine Sackgasse bilden.

Hamsterrad oder Langstreckenlauf?

Freiheit ist in gewisser Weise definitionsbedürftig. Heißt Freiheit nämlich, dass wir uns frei und zufrieden zwischen engen Maschen bewegen dürfen, immer im Dienste ökonomischer Fremdinteressen und Zwänge? Oder bedeutet Freiheit vielleicht doch eher ein solidarisches Miteinander, in dem sich Menschen ergänzen und darauf aufbauend Anlässe zur persönlichen Entfaltung finden und nutzen?

Ich stelle mir persönlich häufig die Frage, bei sich bietenden „Chancen“, ob sie mich persönlich weiterbringen. Also mich selbst, nicht meinen Kontostand. De facto war das häufig nicht der Fall. Denn maßloser Konsum oder Anhäufen von Statusobjekten zählt nicht zu den Dingen, die ich unter Freiheit verstehe.

Ich möchte nicht in einem Hamsterrad um Geschwindigkeitsrekorde rennen, bis ich erschöpft herausfalle. Ein Langstreckenlauf mit neuen Eindrücken und Ideen ist für mich erstrebenswerter.

Fazit: Freiheit ist doch immer relativ

Es gibt meines Erachtens keine (übernatürliche) Vorherbestimmung oder ein unausweichliches Schicksal – aber eine regulierende Instanz, die Gesellschaft, die maßgeblich – bewusst und unbewusst – darüber entscheidet, ob dein eingeschlagener Weg dich voranbringen oder vollständig ausbremsen wird.

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