Meinung | Sarah Wagenknecht startet von Listenplatz 1 für DIE LINKE. NRW in den Bundestagswahlkampf 2021. Diskussionen um Genossin Wagenknecht sind bereits vor mehreren Jahren entbrannt – häufig im Zusammenhang mit ihren Buchveröffentlichungen und Interviews, in denen sie ihre eigene Partei und ihr eigenes politisches Lager direkt angreift. Zuletzt schien es ihr wichtig, linke Akteure pauschal als skurrile Minderheiten zu diffamieren. Und überhaupt sei das linke Lager viel zu selbstgerecht. Das, gepaart mit dem argumentativen Reichen der Hand in Richtung konservativer und rechter Protektionisten, sorgte dafür, dass Frau Wagenknecht auf lediglich 61 % Zustimmung als Spitzenkandidatin kam. Kein herausragendes Ergebnis – Spitze schon gar nicht. Rückhalt der Mitglieder des Landesverbandes sieht für mich anders aus. Die Personalie ist auch in der Gesamtpartei höchst umstritten. Und doch ist das kein Anzeichen dafür, dass DIE LINKE eine zerstrittene Partei ist.

Wagenknechts Schulterschluss mit der Leitkultur

Vor allem ihr Schulterschluss mit Menschen, die wie dogmatisch an längst überholten Diskussionen zu einer Leitkultur festhalten, sorgt für massiven Widerstand sowie auch für Austritte aus der Partei. Wie der Landesverband NRW der taz mitteilte, habe es 20 Parteiaustritte gegeben, die explizit mit Listenplatz 1 für Sarah Wagenknecht begründet wurden. Insgesamt seien direkt nach ihrer Listenplatz-Wahl 49 Menschen ausgetreten, so der Landesverband Nordrhein-Westfalen.

Zugegeben: Frau Wagenknecht hatte in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass DIE LINKE in gewisser Form mehr an gesellschaftlicher Akzeptanz erfahren konnte. Das ist ihr nicht vorzuwerfen. Vorzuwerfen ist Frau Wagenknecht allerdings, dass sie gezielt ihre eigene Marke, ihre Projekte und Versuche, eigene Bewegungen aufzubauen, nicht von der Partei DIE LINKE trennte. Viel mehr baute sie eine Art Personenkult um sich herum auf, der ihr Zustimmung auch im rechten Lager einholt. Um diese Zustimmung nicht zu verspielen, schlug die Genossin immer wieder rhetorische Brücken nach rechts – auch unter Zuhilfenahme der Infragestellung der linken Idee als solches.

Auch ich habe vor einigen Jahren Sarah Wagenknecht als guten Einstieg in die linke Politik wahrgenommen. War überzeugt davon, dass durch sie linke Ideen und Werte wie selbstverständlich Einzug in Politik und Gesellschaft halten werden, wo doch die SPD schon vor geraumer Zeit ein großes Vakuum links des Neoliberalismus hinterlassen hat. Umso mehr ich mich jedoch mit ihr und vor allem mit ihren Äußerungen auseinandersetzte, desto mehr irritierte mich, dass es Sarah Wagenknecht viel mehr darum zu gehen scheint, sich selbst in Position zu bringen als das Miteinander, als eine offene, bunte Gesellschaft. Und doch sah man immer wieder Frau Wagenknecht in Talkshows für DIE LINKE sprechen. Denn eines kann sie – seriös und professionell dastehen. Aber um welchen Preis?

LINKE Leeren für die Zukunft?

Leider scheint DIE LINKE hier tatsächlich ein, wenn auch sympathisches Problem zu haben: Wenig ausgeprägte Professionalisierung. Das ist auch etwas, was mir in persönlichen Gesprächen als Reaktionen auf DIE LINKE entgegengebracht wird. Einige Menschen haben das Gefühl, dass unsere Genoss*innen nicht wüssten, wovon sie sprechen. Tatsächlich sehe ich das Problem aber nicht in mangelndem Hintergrundwissen, sondern eher darin, dass es Unsicherheiten darüber gibt, WIE die Gedanken an die Menschen getragen werden sollen. Nicht zuletzt auch aufgrund der Unsicherheit durch ständig lauernde rechtskonservative Großmedien wie DIE WELT, die immer wieder nur auf eine einzige unglücklich gewählte linke Formulierung warten, um den ganzen Grundgedanken in der Luft zu zerreißen.

Ja, es ist klasse, das Gefühl zu haben, es würden echte Menschen und keine Marketing- oder PR-Roboter mit einem kommunizieren. Ohne Frage.

Ich wünschte, wir würden selbstbewusster,
selbstverständlicher an unsere Themen herangehen.
Denn unsere Ziele sind die Richtigen!

Solidarische Grüße
Sebastian Klaus

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